09.-12.08.2018 im Tombstone TP und Abschied 

Wir verabschieden uns von Dawson City und fahren auf dem Dempster Highway in Richtung Norden, dieser führt bis nach Inuvik und ist eine reine Schotterstraße. Hier erweist sich, ob die Boote auf dem Hänger richtig festgezurrt sind. Einige Autovermieter verbieten seine Benutzung. Wir fahren nur bis zum Tombstone TP und beziehen gleich hinter dem Visitercenter den Campground. Nach dem Abendessen erkunden wir auf einen kleinen „Spaziergang“(laut Simon) den Goldensides Trail. Wir befinden uns auf dem Blackstone Plateau, welches von einer weiten grünen Tundra geprägt ist. Die Sträucher werden immer kleiner bis sie ganz verschwinden. Die Rentierflechte breitet sich flauschig weiß aus. Oben auf den schwarzen Felsen stehend, findet unser Blick keinen Halt mehr auf diesem bis zum Horizont ausgebreiteten Teppich. Auch ein Panoramafoto vermag dies nicht im entferntesten wiederzugeben. 

In der Nacht spüren alle, das wir uns über den Polarkreis befinden, es müssen Minusgrade gewesen sein, die Hans aus seinen Sommerschlafsack ins Auto getrieben haben. Auch wir hatten mehr Sachen zum Schlafen an, ich habe sogar meine Mütze aufgesetzt. Bei Alexandra waren es früh 3 Grad im Zelt. Doch das Feuer und die Sonne wärmen uns wieder auf. Die letzte Wanderung führt uns auf den Grizzly Lake Trail. Bis zum See wäre das ein strammer Tagesmarsch, unser Ziel ist aber der 1. Viewpoint. Alexandra eilt voraus, Elena pflückt wohl jede Beere am Wegesrand. Unterwegs überholt uns ein Parkranger, er kontrolliert den Trail und achtet auf die Einhaltung der Parkordnung. Ganz klein schimmert der Grizzly Lake unterhalb des Mount Tombstone in der Sonne. Der Wind bläst uns um die Ohren, der Felsvorsprung, auf den wir sitzen, lädt zum Klettern ein. Für einen Augenblick habe ich diesen Moment für mich ganz allein. Im Camp zurück fahren einige mit Simon und Nils angeln, wir anderen chillen bei Kaffee am Feuer. Ich erkunde den hinter uns fließenden North Klondike River und warte darauf, dass sich vielleicht zu guter Letzt noch ein Bär, Elch oder Wapiti am anderen Ufer zeigt. Doch keiner tut mir den Gefallen, okay, dann lasse ich euch eben in Ruhe. Die Angler kommen mit 5 großen Eschen zurück, das Abendessen ist gesichert. Nils betreut sie liebevoll auf dem Grill. Sie munden uns mit mexikanischen Tortillas vorzüglich. Bevor es dunkel wird wollen wir noch das Biberrevier erkunden. Direkt an der Straße haben sie ein richtiges Seegebiet aufgestaut. In der einsetzenden Dämmerung können wir die putzigen Tiere beim schwimmen, spielen und Häuslebau beobachten. Olaf hat sie sogar gefilmt.

Der nächste Tag ist wohl der anstrengendste für uns alle. Wir fahren eine gefühlte Ewigkeit bei praller Sonne mit dem Auto nach Whitehorse zurück. Ein Zwischenstopp an den Five Finger Rapids lässt uns nochmal einen Blick auf den Yukon werfen. An diesen Stromschnellen sind viele früher gekentert, da sie nach dem ruhigen Flussverlauf gar nicht damit gerechnet hatten. Wir schauen runter und sind uns sicher, dies mit unserer "Erfahrung" meistern zu können. Wir sehnen uns auf unserem Yukon zurück. Doch dieses Kapitel ist vorbei. In Whitehorse schaffe ich es noch vor dem Abendessen meine Sachen gewaschen und getrocknet einpacken zu können. Beim gemeinsamen Essen bedanken wir uns alle bei unseren Guides Simon und Nils. Sie waren die besten Guides, die man sich nur wünschen kann. gern würden wir wieder eine Tour mit ihnen unternehmen.       

Ich muss mich nun auch von meinen Mitreisenden verabschieden, vom „Hunnewob“ Boot Martina und Alexandra, von der „Bounty“ Besatzung Andrea und Marcus, von Fritz und Ludger auf der „Santa Maria“, von Elena und Hans mit ihrer „Pokachonta“, von Olaf und Matthias auf ihrem „Das Boot“ und natürlich von meiner Steuerfrau Cathleen. Sie hat uns auf unserem liebgewonnenen „Black Labis“ sicher durch den Strom gesteuert. Sie fliegen alle nach Hause und ich werde meinen Trip durch Kanada fortsetzen. Auch wenn ich es schon geschrieben habe sollte, wir waren ein verdammt famoses Team, wir haben gemeinsam das paddeln gelernt, sind Berge bestiegen und baden gewesen. Die Natur am und auf dem Yukon hat uns in Atem gehalten. Wir durften seinen Spirit ein wenig erahnen. Ich hoffe, Ihr seid alle gut wieder in der Heimat gelandet. Vielleicht sieht man sich bei einem neuen Abenteuer wieder.

In diesem Sinne, see you later  😉 

 

08.08.2018 7. und letzter Tag auf dem Yukon 

Was soll ich euch sagen, nun brauchen wir zum Ende der Tour auch keine Sonne mehr. Die Zelte werden klitschnass eingepackt, die Regensachen sind sowieso noch feucht und trocknen vielleicht auf der Fahrt. Das warme Abwaschwasser gießt sich Ludger über seine Füße, so sind sie wenigsten einen Moment warm. Er tauscht mit Hans und fährt jetzt mit Elena im Kanu. Unterwegs grüßt uns zum letzten mal ein Weißkopfseeadler, ihr wart uns treue Begleiter und gehört zum Yukon. Von Weiten schon sehen wir durch den Regenschleier den großen Hangabrutsch, unter dem sich die Stadt Dawson City befindet. Eine Fähre fährt gerade rüber zum Nordteil der Stadt. Die Versuchung ist groß, nicht weiter zu paddeln, noch nicht ankommen zu wollen, denn mit jedem Erreichen eines Zieles ist alles davor zuende, nicht mehr Gegenwart, schon Geschichte. Als wir den Schaufelraddampfer passieren, fahren wir im Kehrwasser dahinter ans Ufer und sind nach über 300 km auf dem Yukon am Ziel, in Dawson City angekommen. Freudig und ohne Worte umarmen wir uns. Ist es nur der Regen der die Gesichter nässt? 

Zum Glück können wir im Hotel unsere Zimmer gleich beziehen, nur Ludger muss im Saloon noch warten. Nach 7 Tagen kann auch ich einer warmen Dusche nicht widerstehen. Danach stoße ich mit Cathleen mit unserem letzten Bier auf unsere erfolgreiche Paddeltour an, wir waren ein verdammt gutes Team, haben ohne viele Worte zusammen gepasst und uns über die gleichen Dinge gefreut. Uns eint der Wunsch, dies in Deutschland mit Freunden wiederholen zu wollen. Doch nun heißt es erstmal Dawson City zu erkunden. Der 1. Weg führt uns natürlich zur Feuerwache. Matthias als Feuerwehrmann kommt mit. Cathleen, seit 2 Jahren auch bei der Freiwilligen Feuerwehr voll im Einsatz, hat einen Sticker mitgebracht und überreicht diesen den dort gebürtigen Feuerwehrmann. Bestimmt tausende aus der ganzen Welt hängen dort schon an der Wand. Bereitwillig zeigt er ihr alles, sie löchert ihn mit Fragen und will alles sehen. Zu guter Letzt bekommt sie sogar ein T-Shirt geschenkt, stolz wie Oskar strahlen ihre Augen. Danach tingeln wir durch die Geschäfte, groß ist die Stadt nicht. Nur die Hauptstraße, vielleicht 600 m lang, ist mit einer Schwarzdecke belegt, die anderen sind reiner Schotter. Saloons, Cafés und Hotels reihen sich aneinander. 19 Uhr treffen wir uns zum Abendessen. Pünktlich um 22 Uhr sind wir im Saloon in unserem Hotel zurück. Nun heißt es einen Whisky kaufen und anstellen. Die Geschichte mit dem Zeh von Dawson City müsst ihr nachlesen, das würde hier zu lang sein. Jedenfalls bekommt man eine Urkunde als eingetragener Einwohner von Dawson City, wenn man einen Whisky mit dem berühmten Zeh im Glas austrinkt und den Zeh dabei mit den Lippen berührt. Wer ihn verschluckt, muss 2500 Dollar Strafe bezahlen. Den Spass haben fast alle von uns mitgemacht. Ich bin der 82294. Einwohner von Dawson City. Weiter geht es in das „Diamand Tooth Gerties“, ein großer Saloon mit Spielkasino und Showbühne. Wir sitzen bei der Show in der ersten Reihe und haben ganz besonderen Spass, als Simon mit noch anderen Männern von den Tanzgirls auf die Bühne geholt wird und mit ihnen Can-Can tanzt. Auch Ben ist dabei, den wir im Café am Yukon trafen. Die Freude über das Wiedersehen ist auf beiden Seiten groß.

Am nächsten Tag haben wir noch Zeit, das Haus von Jack London zu besuchen, jedenfalls was davon hier stehen soll. Mit seinen Büchern, die ich als Kind verschlungen habe, hat ja alles angefangen, die Sehnsucht nach Abenteuer in der weiten Welt. Hier schließt sich nun der Kreis.    

Damit ist das Yukon-Abenteuer leider Geschichte. Fazit: Einfach wunderschön und unbeschreiblich, auch wenn ich hier viel darüber geschrieben habe, so steht doch das Wichtigste zwischen den Zeilen und ist für immer tief in meinem Herzen bewahrt.   

 

07.08.2018 6. Tag auf dem Yukon 

Hinterm Küchenzelt begrüßt uns am Morgen ein Weißkopfseeadler auf seinem Baum. Er streckt ab und zu seine Flügel aus, ihm ist wohl auch nass geworden. Heute probiere ich den Ziegenkäse mit Blaubeeren auf meinem Toast, ins Müsli kommen Bananenstückchen. Die Lunchbüchse wird mit belegten Fladenbrot, Äpfel, Schoten, Möhren und Riegel gefüllt. Wieder fahren wir durch kleine Seitenarme, wenig Wasser unterm Kiel, aber dafür besondere Naturerlebnisse. Zwei Biberburgen entdecken wir im Kehrwasser, ein Biber taucht vor uns ab. Zurück auf dem breiten Strom flößen wir, Nils lässt zum Lunch die Teekannen rum gehen. Hans hält seine Füße zum wärmen ins Wasser. Alexandra ist froh über ihre dicke Jacke, auch sie hat Gummistiefel an. Die Sonne begrüßt uns endlich wieder. Am Zufluss des Indian River verändert der Strom seine Farbe, er wird wieder heller. (Auf dem D-max-Sender sind die Goldgräber vom Indian River zu sehen). Wir halten an seiner Mündung an und genießen ein Sonnenbad auf der Wiese. Spuren von Elchen sind überall zu sehen. Ich schlage mich in die Büsche, nicht ohne meine Kamera mit zunehmen. Als ich wieder raus komme, sehe ich eine Elchkuh am Ufer weit hinter den Booten. Hans und Fritz sitzen mit dem Rücken zu ihr. Ich winke aufgeregt und fotografiere dabei. Als auch die anderen sie sehen, geht sie langsam durch den Fluss, bleibt kurz am anderen Ufer stehen, schaut zu uns zurück und verschwindet dann im Wald. Wow, wir sind begeistert. Ich habe schöne Fotos geschossen und ihren würdevollen Abgang gefilmt. Welch ein Erlebnis. Mag einer sagen was er will, auch wenn man fast alle Tiere in den Zoos oder im Fernseher zu sehen bekommt, sie in der freien Wildnis selber sehen zu dürfen, ist schon etwas ganz Besonderes, jedenfalls für mich. Als wir uns wieder vom Fluss treiben lassen, schließt das Hoenymoon-Pärchen auf und macht ein Gruppenfoto von uns. Man sieht ihnen an, dass sie nicht zum ersten mal auf Paddeltour sind. Wir wünschen ihnen noch eine gute Reise. Simon überlässt nun Nils die Führung und fährt frisches Wasser holen. Wir haben gegen den einsetzenden Gegenwind ganz schön zu kämpfen, finden nicht die richtige Strömung und kreuzen schwerfällig hin und her, der Regen peitscht einen ins Gesicht. Bei den riesengroßen Bergen am Ufer scheint es fast, als ob wir uns nicht von der Stelle bewegen. Wir fühlen uns klitzeklein in diesem weiten Strom. Ohne Worte und den Kopf gesenkt, kämpfen sich alle Boote vorwärts, immer Nils hinterher. Nach ca. 45 km legen wir auf Tanna-Woodjard-Iland an. Die Insel ist steinig, die Zelte schlagen wir erst nach dem Regen auf einer kargen Grasfläche auf. Die Heringe sind nur mit Hilfe von Steinen in die Erde zu bekommen. Der Regen hat die Packsäcke vom Schlamm gereinigt, wenigsten dafür ist er gut. Aus dem angrenzendem ausgetrockneten Flussbett holen Cathleen und ich Treibholz, Olaf und Matthias sägen fleißig, Alex und Martina stellen das Guidezelt auf. Ich baue mir am Ufer ein Steinmännle, so wie wir es immer auf unseren Wanderungen gemacht haben. Inzwischen ist Simon auch da und bereitet das Abendessen. Eine Menge Rippchen liegen auf dem Grill, wir lecken uns danach genüsslich alle zehn Finger ab. Mit einer Büchse „Yukon Gold“ in der Hand gemütlich am Feuer sitzend, hören wir Simon`s Ausführungen über Dawson City, unserem Ziel für morgen zu. Der Höhepunkt des Goldrausches am Yukon war um 1904/05. Mit Schaufelraddampfern sind Tausende den Yukon rauf, um ihr Glück zu suchen. Man kann heute noch für 10 Dollar einen Claim kaufen. Wenn man nach einem Jahr nachweist, das man schürft, verlängert sich die Pacht um ein weiteres Jahr. Man kann aber auch in einer Mine selber schürfen gehen, Simon hat das mal gemacht und auch etwas gefunden. Der Reihnheitsgehalt soll hier sehr hoch sein, deshalb lohnt es sich immer noch, trotz Permafrost. Wir wärmen uns am Feuer, freuen uns auf den morgigen Tag, denken aber auch jetzt schon mit Wehmut zurück. Der Yukon hat, so glaube ich, jedem von uns etwas ganz Besonderes gegeben. Mit diesem gemischten Gefühlen schlafen wir das letzte mal am Yukon ein.     

 

06.08.2018 5. Tag auf dem Yukon 

Nein, nicht schon wieder Regen, und meine Weste habe ich gestern Abend vergessen, mit unters Vorzelt zu legen. Die Sachen im Schlafsack könnten auch wärmer sein, irgendwie wird nichts mehr trocken oder warm. Wir ziehen im Zelt die Regensachen an, Cathleen lugt raus und hofft auf Besserung. Ich schlüpfe in meine Gummistiefel, die ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit nur zum schlafen ausziehe. Warme und trockene Füße sind bei diesem Wetter Gold wert. Ich kann nicht sagen, das es kalt ist, aber der ständige Regen kühlt einen doch etwas aus. Der Wind tut sein übriges. Das Zelt nass und dreckig einpacken, ist auch nicht angenehm, zumal Cathleen in unseren Zeltsack ein Loch entdeckt hat. Den mittlerweile heiß begehrten Job des Abwaschens hat Alexandra heute früh ergattert, es ist die einzige Möglichkeit, seine Hände ins warme Wasser zu tauchen. Am Feuer versuche ich meine Weste etwas zu trocknen, zum Glück können wir ohne weiteren Regen starten. Nach einer Weile biegen wir in einen schmalen Seitenarm ab, bleiben nun wie an einer Schnur gezogen in Simons Spur. Andächtig gleiten wir dahin, die Bäume zum greifen nahe, an Treibholz und Sandbänken vorbei. Teilweise stoßen wir mit dem Paddel auf Grund, die Gefahr, festzusitzen steigt. „Pokachonta“ hat es ereilt, Hans muss aussteigen und anschieben. Wir rutschen ab und zu über die Steine, dabei hilft es schon, einfach den Popo zu heben, doch Cathleen ist die geborene Steuerfrau, hat alles im Griff. Wieder zieht uns die Landschaft in seinen Bann und lässt uns das miese Wetter vergessen, zumal die Sachen langsam getrocknet sind. Gebahnt schauen wir ans Ufer, in der Hoffnung, einen Bären oder wenigsten einen Elch zu sehen. Ihre Spuren haben wir ja schon genug gefunden. Wieder auf den breiten Fluss zieht sich unsere Karavane auseinander. Wie ein Streichholz sehen die Boote vor den riesigen Bergen am anderen Ufer aus. Dimensionen, unbeschreiblich, man muss es einfach gesehen haben. Immer wieder machen wir uns auf kleine Besonderheiten aufmerksam, auf die Quarzspur im Felsen, auf den Nebelschleier übern Fluss, auf das wechselnde Grün der Berge, auf die Hütte am Hang oder den blauen Scherenschnitt am Horizont. Gemeinsam paddeln, sehen und genießen, ohne Worte. Das Begreifen kommt später. 

Wir halten am Zufluss des Sixty Miles River an, da wo noch immer Gold gefunden wird. Hier ist der Sand etwas fester, wir sinken nicht so schnell ein. Die meisten haben Sandalen, Flip-Flops oder Badeschuhe, kurze Hosen und Regenjacke an. Darüber wölbt sich die rote Rettungsweste. Die Füße gezeichnet vom weißgrauen nassen Schlamm. Ich bin immer noch ein Weichei und liebe meine Gummistiefeln. Simon und Nils erbitten sich eine halbe Stunde Aufenthalt zum Angeln. Die sollen sie haben, alle gehen mit. Ein schöner Baumstamm am Ufer, der wie eine Bank daliegt, lädt mich zum Verweilen ein. Die Sonne wärmt mich, ich genieße die Ruhe am Fluss. Sie kommen mit 3 großen wunderschönen Hechten zurück, Nils, Simon und Marcus haben jeder einen geangelt. Hans hat seinen Hecht wieder ins Wasser gelassen, da die drei Fische für uns zum Abendbrot völlig ausreichen. Marcus strahlt wie ein Honigkuchenpferd, Andrea hat alles mit ihrer Kamera festgehalten. Auch Matthias hält alles mit der Kamera fest und schreibt vieles gleich in sein kleines Büchlein. Olaf hat eine App wo er neben den Fotos gleich den Standort und die Strecke sieht. Bei den vielen Erlebnissen muss man schon aufpassen, das man nichts vergisst oder durch einander bringt. Kann sein, dass ich hier beim Schreiben auch einiges durch einander bringe, doch ich gebe mir Mühe. 

Bei der Schlafinselsuche haben wir erst bei der zweiten Glück, die erste ist schon von einem Bären belegt. So nah wollen wir ihn nun auch nicht haben. Nach 45 km stellen wir die Zelte bei einsetzendem Regen schnell auf und machen auch gleich das Feuer an. Die Fische brauchen eine ordentliche Glut. Dass diese oooberlecker munden, brauche ich wohl nicht unterstreichen. Als die Sonne glutrot am Horizont unter geht, verschwinden auch wir zufrieden in unsere Zelte. 

 

05.08.2018  4. Tag auf dem Yukon 

Wie wichtig das Wetter sein kann, spüren wir mit jedem Tag, heute früh freuen wir uns auf den trockenen Morgen. Zum Frühstück gibt es leckere Pfannkuchen. An dieser Stelle ein ganz dickes Lob an unsere beiden Guides Simon und Nils. Nicht nur das sie uns sicher durch den großen Fluss steuern, alle Fragen geduldig beantworten und immer gute Laune verbreiten, sie können auch wirklich fantastisch kochen. Und gutes Essen hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Nils meint, eine hungrige Truppe ist eine schlechtgelaunte Truppe. Und wir sind alle gut drauf. Beim Frühsport  strapazieren Fritz und Ludger unsere Lachmuskeln. Auch diese sind nun gelockert. Ach ja, mein Arm ist wieder okay, danke Andrea. Diesmal stoßen wir erst gegen 11 Uhr ab, doch Zeit spielt hier keine Rolle mehr. Die Tage sind lang und wollen ausgekostet werden. Der Fluss bestimmt den Rhythmus. Wir fahren ganz in Ruhe dicht am Ufer entlang. Ein Baum neigt sich weit über den Fluss, darauf sitzt ein Weißkopfseeadler, wir fahren direkt auf ihn zu, ganz leise paddeln wir und versuchen ihn in Bild und Film einzufangen. Als Simon auf seiner Höhe ist, erhebt er sich und fliegt über uns hinweg, ich habe dies ihm Video festgehalten, Matthias mit einem herrlichen Foto, weit die Schwingen ausgebreitet. Wow. Wir sind begeistert, uns fehlen aber die Worte dafür. Noch im Taumel dieses Erlebnisses legen wir am einzigen Cafe auf der Strecke, im „Kirchman Creek“ Bakery an. Hier genehmigen wir uns eine heiße Schokolade und Apfelkuchen. Dieses Cafe wird von den Frauen einer First Nation-Familie betrieben, sie wohnen auch hier, die Männer sind bestimmt bei den Goldminen. Wir kommen mit Ben und Cathrin ins Gespräch, die mit uns auf der Bank sitzen. Sie sind aus den USA und mit ihrem Kanu in Withehorse gestartet. Er zeigt mir die Karte vom Fluss mit den vielen Inseln und Strömungen, einige Seiten darf ich abfotografieren. Simon und Nils haben auch solch eine Karte und richten sich danach. Auf der nächsten Pauseninsel finden wir wieder schöne Spuren, diesmal vom Wolf und Elch. Es ist ziemlich schlammig, der Untergrund gibt schnell nach und man kommt schwer wieder raus. Martina hat große Mühe, die Füße sind wie festgesaugt, sie fällt auf den Hosenboden, doch Fritz hilft ihr lachend wieder raus. Ihm macht die Schlammschlacht sichtlich Spass. Auch Olaf muss seine Schuhe aus dem Moder holen. Simon und Nils gehen gleich barfuss. Ich bin ein Weichei und lobe mir meine Gummistiefeln, muss mich aber schnell bewegen, damit ich nicht stecken bleibe.   

Am Zufluss des White Rivers legen wir nochmal an. Nils geht mit uns den Berg durch den Eschenwald hoch. Die Eschen sehen fast wie Birken aus, sind aber heller und die Borke feiner. Die Hände werden weiß beim Anfassen. Oben dann eröffnet sich für uns eine unbeschreibliche Aussicht über den Yukon. Ein großes Delta aus dunkelblauem und weißgrauem Wasserarmen, die langsam verschmelzen, dazwischen unendlich viele Sandbänke. Der eben noch klare Yukon wird nun weiß und grau durch den White River, die Trennlinien sind von oben klar zu sehen. Auch wieder im Kanu sehen wir sie. Nun grießelt es gleich lauter am Kanuboden, die schweren kalkhaltigen Sedimente des White Rivers geben ihm seinen Namen. Hier möchte jetzt keiner mehr baden gehen. Diesmal beziehen wir nach ca. 40 km auf einer fast kahlen sandigen Insel unser Nachtlager. Unsere Zelte stehen im Wind, Alexandra baut auch das Zelt unserer Guides auf. Ich finde keinen standhaften Baum für meine Wäscheleine. Wir sammeln das Treibholz für das Feuer. Heute gibt es Pasta, dazu lassen wir uns unser Bier schmecken und schauen uns unsere Schnappschüsse gegenseitig an. Schnell ist für alle klar, dass wir unsere Fotos austauschen wollen, jeder hat irgendwelche einmaligen Aufnahmen von dieser grandiosen Tour, die für uns jetzt schon unvergesslich ist. Es ist noch fast hell, als wir kurz vor Mitternacht ins Zelt huschen. 

 

04.08.2018 3. Tag auf dem Yukon 

Es hat nachts geregnet, Nebelschleier ziehen über den Fluss. Matthias, Olaf und Andrea sind unsere Frühaufsteher, sie machen schon Feuer und Kaffee. Olaf hat schon wunderschöne Fotos vom Sonnenaufgang geschossen. Bei meinem Toilettengang störe ich eine Eichhörnchenfamilie, ich hocke direkt neben ihrem Baumhaus. Das Wetter zwingt uns in die Regensachen. Zum Glück, das wir in Whitehorse noch die Gummistiefeln gekauft haben. Trotz Regen hat jeder eine Idee beim Frühsport, wir hoffen, damit die Wolken zu verscheuchen. Gegen 10 Uhr vertrauen wir uns wieder dem Fluss an, wo lang? Immer der Strömung nach. Doch der Regen wird stärker, der Blick durch die Kapuze verdeckt. Tief hängen die Wolken übern Fluss, hüllen die Berge ein. Endlich klart es etwas auf und die Stimmung steigt wieder. Beim Flößing verzehren wir unseren Lunch, treiben an einer Insel vorbei, wo die Gruppe mit dem Husky Pause macht. Wieder sehen wir einen Weißkopfseeadler und zwei junge. Diese haben noch keinen weißen Kopf, den bekommen sie erst ab 3-4 Jahren. Wir machen Pause an einem kleinem Zufluss. Diesmal finden wir Elchspuren am Ufer. Simon und Nils stehen barfuß im Wasser und angeln, 3 Eschen sind ihr Anglerglück, die 4. ist zu klein und darf weiter schwimmen. Marcus und Fritz versuchen es auch, ziehen aber jeder nur einen Stock aus dem Wasser. Wir sehen kaum andere Boote auf dem Fluss, ab und zu fährt ein Motorboot an uns vorbei, stromaufwärst hat es ganz schön zu kämpfen. Der Wasserweg ist die einzige Verbindung für die am Fluss Lebenden. Straßen gibt es hier nicht. Links liegt eine Goldmine versteckt im dichten Wald, am Ufer ist eine Bootsrampe zu sehen. Durch die Bäume schimmern die schweren Maschinen, es gibt noch einige, die hier ihr Glück versuchen. Uns reicht das Abenteuer auf dem Fluss. Die „Santa Maria“ fährt ab und zu ihren eigenen Kurs und erkundet die anderen Wasserwege um die Inseln. Von der „Bounty“ aus wird fleißig fotografiert, „Das Boot“ wechselt öfters die Objektive, „Hunnewob“ sieht besser als sein Namensgeber und paddelt fleißig drauf los. „Pokachonta“ trödelt singend hinterher. „Black Labi“ gleitet ruhig dahin und fühlt sich wohl in seinem Element. Ab und zu sitzt eine kleine grüne Maus am Bug oder auf dem Dryback und begleitet uns. Sie ist unser Talisman, den Cathleen von Izzy mitbekommen hat. Auf meine Frage, warum einige Bäume keine Spitze mehr haben und wie Speerspitzen leuchten, erklärt Simon, dass von diesen Bäumen im Winter durch die große Schnee-und Eislast die Spitzen abbrechen. Bei bis zu minus 40 Grad bestimmt keine Seltenheit, wie an den vielen kahlen Spitzen zu sehen ist. Diesmal legen wir gleich an der 1. Insel an, sie heißt Harfway Iland, oder so ähnlich. Ca. 60 km sind wir heute gepaddelt, der feine Regen stört uns nicht mehr, ab und zu lässt er uns in Ruhe. Die Boote werden umgekippt und Holz gesammelt. Die großen Stücke sägen die Männern klein. Marcus legt das Holz zum trocknen um die Feuerstelle. Zum Abend gibt es die fangfrisch gegrillten Eschen, sie schmecken fantastisch, dazu ein Gemüseeintopf. In Marcus Dryback ist eine Bierbüchse aufgegangen, schade um das Bier, dafür duften seine Sachen nun anders als unsere. Wie immer gibt es Tee, egal ob früh oder abends, jeder hat seinen Becher mit einem anderen farblichen Karabinerhaken bei sich. Andrea behandelt fachmännisch meinen schmerzenden linken Arm und fährt die Faccien entlang. Ich tausche einen Schmerz gegen den anderen aus und hoffe, das es hilft. Der Regen lässt nach, trotzdem stellen wir alles ins Vorzelt, man kann ja nie wissen. 

 

03.08.2018 der 2. Tag auf dem Yukon 

Das Bitten hat geholfen, die Sonne lacht uns am frühen Morgen ins Zelt. Das große Omelett mit 48 Eiern, welches Simon für uns zum Frühstück gezaubert hat, schmeckt oberlecker. Dazu gibt es Müsli, Brote, Kaffee und Tee. Wir sitzen in der Sonne auf unseren Hockern ums Feuer und blicken auf den Fluss, schöner kann kein Tag beginnen. Diesmal wasche ich mit Matthias das Geschirr ab, Nils verstaut alles wieder in den Kisten. Heute haben wir noch Zeit, uns das historische Fort anzuschauen. Bevor Frieda weg muss, dürfen wir mit ihr ein Foto machen. Sie gehört zu den Selkirk First Nation und betreut dieses Fort, muss aber heute zur Versammlung. Dann heißt es wieder Boote beladen, jeder hilft den anderen, der Spass kommt dabei nicht zu kurz. Ludger, mit seiner plattdeutschen Mundart bringt jedem zum Lachen, Fritz und Hans necken sich wie das Brüder nun mal tun, Elena hüpft zwischen ihnen umher. Alles ist beladen und die Boote sicher vertäut, nun haben unsere Guides eine Überraschung für uns. Wir stellen uns alle im Kreis auf und machen Frühsport, ja richtig gelesen, auch wenn es erstmal albern erscheint und wir in unseren roten Rettungswesten doch recht komisch aussehen, so hat dies doch seine Berechtigung. Also Arme drehen, Schultern lockern, die Hüfte schwingen und Hände ausschütteln, letzteres kann Fritz ganz besonders gut. Gegen Mittag legen wir gut gelaunt bei herrlichen Sonnenschein ab. Cathleen hat unsere Ladung sicher verschnürt. Da vertraue ich ihr vollkommen. Sie kann die Knoten besser als ich. Mein Strohhut kommt heute wieder zum Einsatz. Auch Elena und Hans haben ihre Strohhüte auf. Sie werden ab und zu von dem Kanu mit Fritz und Ludger gerammt. Das Frauenboot mit Alexandra und Martina nimmt richtig Fahrt auf und lässt sich vom Männerboot Olaf und Matthias nicht abhängen. Andrea und Marcus schließen auf und vervollständigen unseren Tross. Mitten im Fluss bilden wir mit allen Booten ein Floß und lassen uns treiben, bei ca. 11 km/h ist das schon eine ganz schöne Geschwindigkeit. Während die wunderbare weite Landschaft an uns vorbei zieht, leeren wir unsere Lunchpakete. Sich einfach vom Fluss treiben lassen, nichts tun, nur schauen und staunen, da braucht es keine Worte …. 

Als wir zur Pinkelpause auf einer Insel anhalten, entdecken wir Bärenspuren. Im Matsch sind sie sehr gut zu erkennen. Doch kein Bär ist in Sichtweite. Wieder vereint mit dem Fluss ziehen wir an zwei Weißkopfseeadlern und ein paar Enten vorbei. Ich mache viele Fotos mit der Kamera und Cahtleen`s Handy. Als Steuerfrau kommt sie schlecht zum fotografieren. Auch in den anderen Boote fotografiert hauptsächlich der Vordermann bzw. -frau. Die Ufer sind völlig unterschiedlich, die eine Seite voller dichten Wald und grünen Hängen, welche vom Fluss stetig abgetragen werden. Viele Bäume neigen ihre Wipfel in den Fluss oder hängen bereits mit den Wurzeln im Wasser, um irgendwann als Treibholz kilometerweiter liegen zu bleiben. Die andere Seite ist steinig bis bergig, die Klippen ragen steil am Ufer in den Himmel. Die einzelnen Gesteinsschichten sind fantastisch wie bei einem Querschnitt zu erkennen. Simon meint, an der einen Seite hat der Fluss den Permafrost gestoppt und an der anderen Seite kühlten sich die Lavaströme ab. Welch einmalige Natur, und wir mittendrin.      

Ab jetzt gibt es keinen Campingplatz mehr, nun geht die Suche nach einer geeigneten Insel los. Die 1. ist schon von dem Honeymoon-Pärchen belegt, die wollen wir nicht stören, auf der 2. Insel hat eine Gruppe der First Nation ihr Lager aufgeschlagen, auf der 3. Insel findet Simon frische Bärenspuren, die 4. Insel endlich ist für uns frei. Nach 65 km legen wir an und schlagen direkt am Ufer unser Lager auf. Mittlerweile sitzt jeder Handgriff. Nur die Heringe gehen schwer rein. Diesmal wagen wir es, im Yukon baden zu gehen, die Strömung ist ganz schön stark und reißt uns fast die Füße weg. Aber alles geht gut und wir freuen uns riesig. Wer kann das schon von sich behaupten, ihm Yukon baden gewesen zu sein, wir schon. Abends am Feuer reist die gute Stimmung nicht ab, mittlerweile sind alle aufgetaut und wir verstehen uns prächtig. Martina sitzt auf dem einzigen Holzstuhl, der wie ein Thron aussieht, sie ist somit heute unsere Königin und kein anderer traut sich darauf zu setzen.  Sie lernt von Ludger plattdeutsche Wörter, Hunnewob gefällt ihr ganz besonders, das soll Maulwurf bedeuten. Ludger nennt ihr Boot nun „Hunnewob“. Auch die anderen haben ihren Booten Namen gegeben, „Santa Maria“ heißt das von Fritz und Ludger, „Bounty“ das von Andrea und Marcus, „Pokachonta“ das von Elena und Hans. Matthias und Olaf hatten keinen Namen, es ist  einfach nur „Das Boot“. Unseres sollte laut Matthias  „wundes Knie und wunde Hand“ heißen, (Cathleen hatte sich gestern beim Einsteigen die Hand leicht verstaucht), aber wir entscheiden uns für unseren schon erfolgreichen Namen „Black Labis“. Beim Bier und Marshmallows lassen wir den Tag ausklingen. Ach so, noch etwas ganz wichtiges: Da wir nun mitten in der Wildnis sind, müssen wir unser Verhalten hier anpassen. Das heißt, der Toilettengang erfolgt mit Spaten, Papier, Tüte, Desi und Bärenspray im Wald. Dort wird ein Loch gegraben, ordentlich zielen (dabei kann man sich auf dem Spaten gut abstützen), das benutzte Papier in die Tüte verfrachten, die Hände mit Desi säubern, das Bärenspray bei Bedarf dem Bären zeigen und fertig ist das Geschäft. Die Tüten werden im Feuer entsorgt. Auch das Zähneputzen erfolgt über ein extra Loch, welches wieder zugeschüttet wird. So weit so gut. Nachts ist dann noch die Stirnlampe mit zunehmen, damit einen der Bär besser sieht. Na dann Gute Nacht.

02.08.2018  -  1. Tag auf dem Yukon 

Irgendwie muss ich das Mixgetränk Slider von gestern abend nicht vertragen haben oder es ist die Aufregung, jedenfalls geht es meinen Magen nicht gut. Ludger nimmt mir die restlichen Sliderbüchsen ab, weggeschmissen wird hier nichts. Nachdem ein Stachelschwein unser Auto inspiziert hat, verlassen wir um 9 Uhr Lake Laberge und fahren bei herrlichem Wetter mit dem Auto, die Kanus im Schlepptau den Klondike Highway weiter, bei Carmacks ein kurzer Zwischenstopp, an den Five Finger Rapids vorbei bis Mine Minto. Dort zeigt uns Simon, wie die Boote zu beladen sind, neben unseren persönlichen Sachen stehen noch die vielen Kisten mit der Küche, der Verpflegung für die nächsten sieben Tage, die Hocker, die Zelte und die zwei Gaskocher am Ufer. Wir nehmen unsere 115 Liter dicken grünen Drybacks, einen Wasserkanister und die rote Kiste an Bord. Das wird für die nächsten Tage unsere Ladung sein. Alles muss ordentlich im Kanu verstaut und mit einer Repschnur verbunden werden, falls wir umkippen, können dann alle Sachen an einer Schnur gerettet werden. Nils kontrolliert überall die Knoten und verteilt die Rettungswesten. Mit den Füßen schon im Wasser stehend, versuchen wir ins Boot zu kommen. Zuerst steigt Cathleen ein, ich stoße unser Kanu noch etwas ab und hechte hinterher. Das Ablegen hat schon mal geklappt. Es ist warm und das Wasser eine Abkühlung. Simon fährt vorne weg, Nils als Nachhut. Oft geht es mal rechts oder links entlang, da wo die Strömung am besten ist. Da der Yukon dieses Jahr wenig Wasser führt, so zwischen 10 cm und 5 Meter, müssen wir auch auf den Grund achten. Auf einer Sandbank oder Steinen mitten im Fluss aufzusetzen wäre nicht sehr angenehm. Also immer im Fahrwasser von Simon bleiben. Leichter gesagt als getan. Fast alle Boote kreuzen hin und her. Andrea gibt Marcus Anweisung, wie er zu paddeln hat, Fritz und Ludger versuchen es mit vollem Krafteinsatz. Olaf und Matthias finden sich langsam zurecht in ihrem Boot und auch Alexandra und Martina haben bald den Dreh raus. Ich paddle vorne im Boot hauptsächlich rechts, merke aber bald, wie mir die Schulter schmerzt. Wir vereinbaren, ab und zu zu wechseln, auch wenn ich mit links nicht so kräftig bin. Cathleen steuert hinten, was gar nicht mal so leicht ist und vollen Einsatz erfordert. So langsam finden wir unseren Rhythmus und ich kann mir die Gegend anschauen. 

Wir paddeln auf dem YUKON, so richtig begreifen kann ich es noch nicht und muss es mir immer wieder selber sagen. Der Yukon, von den First Nation als Großer Fluss bezeichnet, um den sich tausende Geschichten drehen, der für einige Glück aber auch für viele den Tod brachte. Er ist über 3000 km lang, schlängelt sich von British Columbia durch Yukon und Alaska bis in das Beringmeer, hat über 30 Zuflüsse und tausende Inseln.  An vielen fahren wir vorbei, einige haben Namen, die meisten sind namenlos, aus kleinen Sandbänken werden Inseln, auch der Fluss ändern sich. Überall liegt angeschwemmtes Treibholz, ich verwechsle es erst mit Biberburgen, doch die gibt es nur in den ruhigen Nebenarmen. Es krieselt und zischt hörbar unter dem Boot, Cathleen denkt erst, eine Bierbüchse läuft aus, aber es sind die Sedimente, die der Fluss mit sich führt und die sich am Bootsrumpf reiben. Die Breite des Flusses ist schwer zu schätzen, sie mag zwischen 100-600 m oder noch mehr breit sein, ich weiß es nicht, doch manchmal sind die anderen Kanus ganz klein vor dem anderen Ufer zu sehen. Auf sonnigen Klippen entdecken wir viele weiße Flecken, es sind Bergziegen, bestimmt über 30 Stück, keines davon fällt ins Wasser. Wo der Kiefernwald bis ans Ufer reicht, sitzen ab und zu Weißkopfseeadler auf den Wipfeln und schauen auf uns herab. Es soll mehr diese Vögel in Kanada als in den USA geben, wo es das Wappentier ist.    

Dann nach 42 km unser erstes Anlegemanöver mit vollem Kanu am linken steinigen Ufer bei Fort Selkirk. Konzentriert paddeln wir und legen das Kanu auf ein Uhr gegen den Strom, Cathleen steuert hervorragend, die Paddelwoche in Österreich macht sich bezahlt. Als das Kanu am Ufer aufsetzt, springe ich raus und ziehe unser Kanu weiter an Land, so dass Cathleen auch aussteigen kann. Die anderen Boote folgen. Da hier nicht viel Kehrwasser ist, müssen die Boote festgehalten werden, damit sie nicht abtreiben. Gemeinsam laden wir alles aus und bringen die schweren Sachen den schmalen Holzsteg hoch. Ludger hilft Martina, Olaf fast bei Alexandra mit an. Fritz trägt die schweren Kisten bis zum Küchenplatz. Schnell werden die Zelte aufgebaut und das Camp erkundet. Fort Selkirk wird von den First Nation betrieben. Der Platz an der Flussmündung des Pelly Rivers, ein ehemaliger Handelsposten während der Goldgräberzeit, wird schon seit über 7000 Jahren von den Indianer genutzt. Die Selkirk First Nation bewahrt diesen Ort noch heute. Der Platz ist noch von anderen Gruppen gut besucht, einer deutschen Familie mit ihren kleinen Kindern, einem jungen Paar auf Honeymoon-Reise und einer größeren First Nation Gruppe mit einem Husky. Alle wollen wie wir den Yukon entlang paddeln. Leider setzt kurz vor dem Essen starker Regen ein, so das wir alle unters Küchenzelt zusammen rutschen und im Stehen essen. In der Hoffnung, das morgen wieder die Sonne scheint, schlüpfen wir ins Zelt.  

Fotos von Fort Selkirk:

Fotos vom 1. Paddeltag:

29.07.-01.08.2018
Um 16 Uhr in Frankfurt a Main starten und schon eine halbe Stunde später bei herrlichem Sonnenschein am anderen Ende der Welt landen, die Erdumdrehung macht es möglich. Zuhause schlafen schon alle, doch wir werden am Flughafen von Whitehorse im Bundesstaat Yukon, Kanada von unseren Guides Simon und Nils herzlich empfangen. Mir fällt sofort die unendliche Weite ins Auge, alles ist hier größer, die Parkplätze, die Autos, die Straßen, die Landschaft. Man hat gleich mehr Luft zum atmen. Im Hotel Day`s Inn starten wir mit der Vorstellungsrunde. Noch etwas zurückhaltend stellen sich alle vor: Ludger mit seine Söhnen Fritz und Hans und Elena die Freundin von Hans aus Cloppenburg, Andrea und Marcus aus der Nähe von Bremen, Alexandra aus der Pfalz,  Martina ebenfalls aus der Pfalz, Olaf aus Gotha, Matthias aus Hannover sowie Cathleen und ich. 12 Menschen, die die Sehnsucht, ein Abenteuer auf dem Yukon erleben zu wollen, zusammen geführt hat. Simon, ein waschechter Deutsch-Kanadier, er hat Abenteuertouristik studiert, gibt uns in kurzen Ausführungen den Ablaufplan bekannt und verteilt an jeden einen 115 Liter wasserdichten Dryback. Darin werden wir alle unsere Sachen umpacken. Vor dem Schlafengehen machen wir noch einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Es ist zwar schon 21 Uhr, doch noch so hell wie zur Kaffeezeit als wir endlich nach über 22 Stunden wach sein schlafen gehen.  
Am nächsten Tag, nachdem wir uns schon mal beim ersten gemeinsamen Frühstück mit Andrea, Marcus, Olaf und Matthias beschnuppert haben, startet unser Abenteuer mit der Fahrt auf den Alaska Highway in den Kluane-Nationalpark. Dieser wurde 1976 gegründet, liegt an der Grenze zu Alaska und ist mit über 22.000 qkm etwas größer als Hessen. Der höchste Berg von Kanada der Mount Logan (5959m) ist hier zu finden. Auf der Fahrt sehen wir drei Weißkopfseeadler in aller Ruhe auf den Baumspitzen am Straßenrand sitzen und beim ersten Zwischenstopp ein Eichhörnchen am Canyon Creek entlang hoppeln, unsere ersten kanadischen Tiere in der Wildnis. Im Besucherzentrum des Nationalparks schauen wir uns einen interessanten Film über die Gegend an. Auf dem Campground zeigt Simon uns, wie man ein Zelt aufbaut. Kurze Zeit später leuchten 8 Zeltkuppeln zwischen den Bäumen, wegen der Bären bewusst etwas abseits vom Küchenzelt. Martina und Alexandra haben jeder ein Einzelzelt, ich teile mir eins mit Cathleen. Bevor wir auf dumme Gedanken kommen, geht es auch gleich zur ersten Wanderung. Die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite, der Strohhut kommt gleich zum Einsatz. Es geht erst durch dem lichten Eschenwald, dann in Serpentinen den Schotterweg hoch zum kleinen Aussichtspunkt, zum Sattel des King`s Throne auf über 1600 m hoch. Noch im Wald nahe des Camps liegt Bärenkot mitten auf dem Weg, von wann die Hinterlassenschaft ist, können wir nicht herausfinden. Aber wir halten nun die Augen offen. Mit jeden der über 500 Höhenmeter eröffnet sich für uns ein immer schönerer Blick auf dem Kathleen Lake. Matthias muss umkehren, da sich von seinem Schuh die Sohle löst, für Elena ist dies ihre allererste Wanderung, Hans trägt irgendwann auch ihren Rucksack. Alexandra entdeckt dann endlich als erste einen Schwarzbären auf dem Hang. Er nimmt aber Reißaus vor uns. Vielleicht war er der Übertäter auf unserem Weg. Am Ziel angekommen, genießen wir wie auf einem Königsthron sitzend den weiten Blick über das Land, den smaragdblauen See, in dem sich die Bäume und die Schäfchenwolken widerspiegeln und über ein unendlich weites grünes Meer bis zum Horizont. Ein paar Erdmännchen pfeifen um uns herum. Auf dem Rückweg gibt uns Cathleen die Genehmigung, in ihrem See baden zu dürfen. Es ist zwar verdammt kalt und steinig, aber ein erfrischendes Gefühl nach dem doch anstrengendem sonnigen Aufstieg. Ich kann es mir nicht verkneifen im Wasser vor Freude laut zu juchzen, ich bin in Kanada angekommen und fühle mich pudelwohl. Zum Abendessen zaubert Simon gegrillten Lachs mit Kiuna-Reis auf den Tisch. Bevor wir in den Schlafsack kriechen, bringen wir unser Essen und Waschzeug ins Auto, wegen der Bären darf so etwas nicht im Zelt bleiben, sonst könnte man von ihnen unerwünschten Besuch bekommen.
An dieser Stelle eine kurze Erklärung zum Campen in Kanada: Die Zeltplätze muss man hier in der Regel im Voraus buchen, die einzelnen Plätze sind genau gekennzeichnet und haben nehmen der Stellfläche eine Holzbank und eine Feuerstelle mit Grill. Wegen der Bären müssen die Lebensmittel sowie alle Cremen entweder in speziellen Container, am Seil an einem Baum oder Mast hochgezogen oder im Auto verstaut werden. Das Küchenzelt ist bei Gruppen mindestens 20 m von den Zelten entfernt aufzustellen. In allen Camps gibt es ordentliche Plumpsklos, Abfallcontainer, ausreichend Brennholz und ein paar Wasserstellen.
In der Nacht muss ich das Zelt kurz verlassen, treffe aber (zum Glück/leider) keinen Bären an. Nach dem Frühstück fahren wir ein Stück den Alaska Highway weiter und begeben uns auf dem 10 km langen Sheepcreek-Trail. Wieder geht es bis über die Baumgrenze hinaus mit fantastischen Aussichten über die Bergrücken, den Kluane Lake, dem Kaskawulsh–Gletscher und dessen River. Von Weiten grüßen der Mount Queen Mary und der Mount Vancouver. Der Mount Logan dahinter ist nur zu erahnen.Schafe sehen wir aber nicht. Unsere Lunchpakete, die wir uns nachdem Frühstück gepackt haben, werden geleert und der Abstieg etwas widerwillig in Angriff genommen. Gern hätte ich hier oben noch länger verweilt. Diesmal gehen wir im Kluane Lake baden, auch wenn er verdammt kalt ist, denn dies ersetzt bei dieser Hitze die fehlende Dusche. Der Kluane Lake geht langsam aber stetig zurück, da sich der Gletscher einen anderen Weg als Abfluss gesucht hat. Auf dem Rückweg versorgen wir uns mit Bier für die Kanutour und genießen das kanadische Eis. Alkoholische Getränke gibt es in Kanada nicht in den Supermärkten sondern nur in extra Shops. Nach dem Abendessen, leckere Nudeln mit Pilzen und frischem Salat, starten 8 Leute von uns zum Rundflug über das Kluane-Icefield, welches über 80% des Nationalparks ausmacht. Die Fotos davon sind von Cathleen, da ich am Anfang meiner langen Tour darauf verzichtet habe.

Nach zwei Nächten bauen wir unsere Zelt ab und müssen unsere Sachen in drei verschiedene Backs packen, den großen Dryback für die Kanutour, ein Rucksack mit den Wandersachen für Dawson City und ein Tagesrucksack. Simon setzt uns dann an den Takhini Hot-Springs ab, um die Boote zu holen. Wir genießen das Baden im heißen Schwimmbad, nach den zwei anstrengenden Wanderungen eine Wohltat für alle. Bis zum naheliegendem Wildreservat schaffen es aber nur Alexandra, Olaf und Matthias, uns anderen reicht der  Weg bis zum Cafe, wo uns Simon, mit den Booten im Schlepptau wieder einsammelt. Nun geht die Fahrt auf dem Klondike Highway nördlich von Whitehorse zum Lake Laberge. Dieser ist eine Verbreitung des Yukon und ca. 50 km lang. In der Sprache der hier ansässigen First Nation (Indianer hört man nicht gern), heißt er Tàa`an Män. Wir laden gemeinsam alles ab. Alle packen wie auch schon die ersten Tage fleißig mit an, bilden eine Reihe und die schweren  Drybacks fliegen von Hand zu Hand. Da ich das alles auch fotografieren will, stolpere ich im Eifer des Gefecht über eine lange Packschnur und schlage mir das Knie auf. Die Kamera ist aber ganz geblieben. Cathleen ist sofort mit ihrer Sanitasche zur Stelle und verarztet mich fachmännisch. Es ist zum Glück nur eine Schürwunde. Andrea versorgt mich gleich mit Arnikapillen. Die Probefahrt mit den Kanus auf dem Lake Laberge bestehen alle relativ gut, keiner ist umgekippt. Alexandra kommt zwar ganz schön ins Schwitzen, das Steuern will nicht so richtig klappen. Doch auch alle anderen fahren noch am Anfang im Zickzack über den See. In unserem Kanu sitzt Cathleen hinten und steuert. So nach und nach spielen wir uns ein. Am Abend am Feuer freuen wir uns alle auf die nächsten Tage, denn dann startet unsere eigentliche Tour auf dem Yukon.

 

Das sind Fotos von Whitehorse, Kluane NP und Lake Laberge: 

Fotos vom Hinflug :

29.07.2018, 21: 30 kanadischer Zeit.

Wir sind heute nach fast 9 Stunden Flug in Whitehorse gelandet. Da die Flugroute über Grönland ging, muss ich euch unbedingt ein Foto davon zeigen. Die nächsten Fotos dann aus Kanada. 

29.07.2018

Die Reise hatte heute früh um 8 Uhr in Frankfurt (Oder) begonnen. Der Flieger von Berlin kam in Frankfurt a Main mit Verspätung an, aber es reichte noch bis zum Anschlussflug da dieser sich mit dem Einchecken auch Zeit ließ. Zum Glück war mein Gepäck im Limit, nun musste es noch mit mir auch in Whitehorse ankommen.