Zugspitze der 2. Versuch

Es ist üblig, das auf den höchsten Gipfeln der Berge

der Mensch ein Kreuz setzt, so um zu zeigen,

hier war er, diesen Ort hat er erobert.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass wir

keinen Ort auf der Erde erobern können,

sondern nur Gast hier sind und an den

schönsten Plätzen uns erfreuen sollen,

so finde ich das Kreuz auf der Zugspitze wunderschön.

Um dieses Kreuz noch einmal mit eigenen Augen zu sehen

und es anfassen zu können, bin ich in diesem Jahr mit Freunden nochmal den ganzen Weg hoch gelaufen ....

 

und diesmal hat es auch geklappt.

09.07.2017

Man kann hinfallen, abstürzen oder alles verlieren, das ist schlimm, aber noch schlimmer ist es, wenn man aufgibt. Wir aber wollten nicht unseren Traum, die Zugspitze über die Höllentalangerhütte zu besteigen, aufgeben. Also trafen wir uns nun am 06.07.17 erneut in Hammersbach. Wir, das waren Cathleen, Bo, Andreas und für den verhinderten Ede kam Steffen mit. Ich freute mich, sie alle wiederzusehen. Bei herrlichem Sonnenschein und genügend Zeitpolster zogen wir duch die Höllentalklamm die schon alleine eine Reise wert war. Auf der DAV-Höllentalangerhütte bezogen wir unser Zimmer, wir Frauen schickten die Männer ins obere Stockwerk und versuchten abends auf der Terrasse sitzend, den Weg zum Gipfel mit den Augen schon mal vorzusteigen. Da es laut Wetterbericht am nächsten Tag ab Mittag regnen sollte, gab es schon um 5:30 Uhr Frühstück. Um 6:20 Uhr starten wir. Ca. 6-7 Stunden waren eingeplant. Wir legten gleich die Klettergurte an, wohlwissend, das es am Einstieg aufgrund der vielen Gruppen eng werden würde. Da wir den ersten Teil des Weges noch kannten, freuten wir uns auf die Leiter und das Brett, froh darüber, beides diesmal im Trockenen genießen zu können. Dass es dann aber doch ziemlich steil am Fels mit leichten Klettereinlagen ging, hatten wir irgendwie nicht mehr so richtig auf dem Schirm und auf das Schotterfeld freuten wir uns auch nicht wirklich, meisterten es aber alle sicher. Bis dahin waren wir im vorigen Jahr auch gekommen, nun betraten wir Neuland. Am Gletscher angekommen legten wir alle zum ersten Mal die Steigeisen an. Ich war zwar schon oft in den Bergen, aber über einen Gletscher bin ich auch noch nicht gelaufen, es gibt eben immer ein 1. Mal. Trotzdem betraten wir voller Zuversicht in den schon ausgetreteten Spuren der anderen Gruppen den Gletscher. Der war am Anfang noch voller matschigem Schnee, so dass man gut die Spur gehen konnte, also die Steigeisen fest in den Schnee hauen und hoch stampfen, das hat auch bei allen prima geklappt. Dann wurde es steiler und auf einmal auch richtig eisig. Ohje, ich sah mich schon fast auf den Hintern runter rutschen, schlug aber tapfer meine Eisen ins Eis und meisterte auch diesen Teil. Ab und zu musste man aber auch auf den Weg achten und den Spalten ausweichen, an einer bin ich ganz dicht vorbei, die großen Spalten haben wir aber alle weiträumig umgangen. Von weiten sahen wir schon den Andrang an der Randkluft, das ist der Übergang vom Gletscher zum Felsen. Diese wird immer größer, je weiter der Gletscher schmilzt und der Schnee taut. Wir hatten Glück, am oberen Einstieg war der zu überwindende Abstand eine Schrittlänge breit, aber die Drahtseile doch über eine Armlänge entfernt. Da Andreas seinen Klettergurt vor dem Gletscher abgelegt hatte (hat ihm wohl irgendwie gestört), musste er ihn nun wieder auf der schmalen Standfläche anziehen. Wir hielten ihn fest, damit er uns nicht am Gletscher abhanden kommt. Mit etwas mehr Armkraft als sonst musste der Einstieg zum Kletttersteig bewältigt werden. Dafür hatten wir sicherheitshalber ein Seil mit genommen, haben es aber nicht gebraucht. Nach einer kleinen Wegstrecke fing dann der nicht enden wollende Klettersteig bis zum Gipfel an. Die Sonne schien uns viel zu doll, das Wasser wurde knapp und die Kräfte ließen nach. Schritt für Schritt ging jeder seinen Weg, den anderen Gruppen ging es nicht besser. Aber das Gute am Berg ist, man hilft sich gegenseitig, ob nun mit einen Riemen für die Steigeisen anstelle des vergessenen, ob mit Traubenzucker oder Magnesium, ob mit Wasser oder einen guten Zuspruch. Alle achteten auf den vor oder hinter einen gehenden, ließ schnellere vor oder wartete in Ruhe. Nur eine Frau kannte wohl diese Regeln nicht. Erst hatte sie sich an uns gehängt, weil sie nicht allein die Randkluft bewältigen wollte und unser Seil sah, dann rannte sie pfeifend den falschen Weg und telefonierte am Berg wie leicht das doch alles sei. Und zu guter Letzt drängelte sie an einer schwierigen Stelle einfach an uns vorbei und forderte noch Platz ein. Hätte Cathleen sie nicht festgehalten, wäre sie abgestürzt. Bei solchen Leuten bekomme ich einen dicken Hals, da könnte ich verrückt werden, bringt mit ihrer Arroganz und Überheblichkeit noch andere in Gefahr, da rege ich mich auch jetzt beim Schreiben wieder auf. Und schneller als wir war sie am Ende auch nicht. Egal, wir liefen Schritt für Schritt den Grat hoch, waren begeistert von dem tiefen Blau des Eibsees unter uns, sahen unsere Hütte manchmal im Tal winken und das Gipfelkreuz über uns locken, kletterten durch die Scharte und über lose Steinbrocken, um endlich kurz vor dem Gipfel auf dem Jubiläumsgrat zu stoßen. Es setzte schon leichter Nieselregen ein und die Sicht wurde schlechter, aber wir standen alle fünf etwas fertig aber freudestrahlend am goldenen Gipfelkreuz. Das Gefühl, es geschafft zu haben und über sich selbst hinaus gewachsen zu sein, kann und will ich nicht beschreiben, wer oben war, kennt es und weiß was ich meine.

P.S.

Am nächsten Tag waren wir nach einem gemütlichen Ausflug zur Alpspitze zum BMW-Motorrad-Treffen in Garmisch eingeladen.